Wednesday, August 10, 2022

Craft Beer vs. Bier von Krombacher, Bitburger und Co. – Was ist besser? I Ökochecker SWR

. Wir nehmen uns heute grünes Bier vor, natürlich nichtim wortwörtlichen Sinn, klar, aber das Thema Nachhaltigkeit istin der Bierbranche angekommen. Finde ich gar nicht gut, wenn man mit Klimaneutralität wirbt,weil man was verspricht, was die Biere nicht halten. Es gibt eine ganze Reihean Alternativen zu den großen Marken. Craftbeer ist das Stichwort,Brauen als Handwerkskunst.

(Dynamische Musik) Das ist der schönste Jobin der Brauerei. Es ist ein Hype,der einfach nicht abreißt. Es klingt erst mal gut. Die kleinenAnbieter im Vergleich zur Massenware. Sind die die nachhaltigereVariante? (Dynamische Musik) Was ist eigentlich Craftbeer? Im Vergleich zu den USA gibt esbei uns keine klare Definition. Man kann aber grob sagen: Craftbeerist handwerklich gebrautes Bier.

Aus sogenannten Mikrobrauereien. Dazu zählen Kleinst- undHausbrauereien, die im Jahr nicht mehr als1.000 Hektoliter produzieren. Zum Vergleich:Großbrauereien produzieren im Jahr mehr als 250.000 Hektoliter. Rund drei Millionen Menschenin Deutschland trinken regelmäßig Craftbeer. 2018 waren es nochweniger als die Hälfte. Auch die Zahl der Craftbeer-Brauereien in Deutschland.

Ist seit 2005um mehr als die Hälfte gestiegen. Wie sieht's bei euch aus?Was ist euer Bier der Wahl? Greift ihr gerne zum Craftbeer oderdoch lieber zu den großen Marken? Schreibt es mir in die Kommentare! Bier wird bei uns klassisch nachdem deutschen Reinheitsgebot gebraut. Könnte man meinen. Die wichtigste Regelder deutschen Bierindustrie ist mehr als 500 Jahre alt. Danach darf Bier nur aus Hopfen,Malz, Wasser und Hefe gemacht werden,.

Auch wenn sich schon lange nicht mehrso streng danach gehalten wird. Vor allem Craftbeerherstellersind da experimentierfreudiger. Ein so ein kurioses Beispielist Craftbeer aus altem Brot. Der Vorteil: Dabei werdenLebensmittel verwendet, die sonst nicht mehr verkauftwerden können. Zero Waste also. Ich bin bei der Recherche auf eine kleine Brauereiaus dem Saarland gestoßen, da schaue ich mirden Produktionsprozess an, und ich bin sehr gespannt,wie aus Brot Bier wird.

Julian Bach braut seit 2020Craftbeer, aus Leidenschaft. Vor gut einem Jahrhatte er die Idee zum Brotbier, oder besser gesagt: Brötchenbier. Woher kommen denn die Brötchen? Von einer Bäckerei hier aus dem Ortoder hier in der Region. Die stellen uns das zur Verfügung, weil der müsste dietheoretisch entsorgen, und so können wir die nutzen,da verbrauen die in unser Bier. Wie viele Brötchen braucht man,um wie viel Bier herzustellen?.

Das ist ein halbes Brötchenpro Flasche, was wir da einsetzen. Was genau könnt ihr denn in euremProzess ersetzen durch die Brötchen? Also jetzt hier nutzen wir15 Prozent Brötchen, wo wir quasi das Malz ersetzen,das heißt, 15 Prozent des Malzes in jederCharge, die wir produzieren, sparen wir ein. Das ist für uns natürlichein Superding, weil das Malz wird grad jetztsehr, sehr teuer. Mit weniger Malz im Bier tut Juliannicht nur seinem Geldbeutel,.

Sondern auch dem Klimaeinen Gefallen. Denn der Malzprozess ist aufwendigund energieintensiv. Um aus Braugerste Malz zu machen,wird das Korn unter Wasser gesetzt. So fängt die Keimung anund Enzyme werden freigesetzt. Dann wird der Gerste das Wasserschonend wieder entzogen und das Korn getrocknet. Diese angekeimteund wieder getrocknete Gerste wird als Malzfür das Bierbrauen genutzt. In Julians Brauerei wird das fertigeMalz dann nur noch geschrotet.

(Dynamische Musik) So, hier haben wir jetztdas fertig geschrotete Malz. Was für Rohstoffe sind nochin eurem Bier? Wir haben hier das Malz, wir haben natürlich nochdie Brötchen drin, ganz klar, Wasser,der größte Anteil, dann kommen noch der Hopfenund die Hefe dazu. Das war's dann schon. Sind eure Rohstoffe Bio?.

Noch nicht, nee. Wir haben vor,das Ganze umzustellen auf Bio, das Problem ist jetzt aktuell,wir sind jetzt im Umzugsprozess und können unsere gesamtenRezepturen und unseren Zukauf von Produktennoch nicht komplett umstellen. Das ist ein größerer Prozess. Biobier ist insgesamteher die Ausnahme. Der Marktanteil in Deutschlandliegt aktuell bei unter zwei Prozent. Ein Grund ist der Mangelan geeigneten Anbauflächen. Wann kommt das Brot zum Einsatz?.

Das Brot kommt zum Einsatz,wenn wir hier einmaischen. Das heißt, wir füllen den mit rundfünf-, sechshundert Litern Wasser, also wir erzeugen hier die Maische, indem wir die zuvor geschrotetenKörner da reinbringen, also auch die Brötchen,die geschroteten, und verrühren das hierzu einer Maische. Beim Maischprozess wird unter Hitzeund Rühren schonend die Stärke, also der Zucker,aus Malz und Brot gelöst. Wie sehen die Reaktionen aus,.

Was so andere Brauereien,Fachverbände angeht? Stichwort: Reinheitsgebot. Ja, es gibt halt die einen, die sind massive Verfechterdes Reinheitsgebots, es gibt aber auch eine Bewegungin Deutschland, die sagen, ja,Natürlichkeitsgebot, weil letzten Endesist das ja viel interessanter, wenn ich natürlich bleibe, warum nicht mal Äpfel reintun,als Beispiel, oder Kirschen?.

Oder was auch immer. Das ist jetzt unser Ansatz hier. Wir wollen halt so Fancy Stuffmachen. Der Sud wandert von einem Braukesselzum anderen. Jetzt wird fest von flüssig getrennt. Der sogenannte Treberwird rausgefiltert, also alle Festbestandteile. Was genau passiert jetzt? Jetzt fällt der gesamte Treberdurch diese Luke raus,.

Und oben haben wir ein Rührwerk,ein Hackwerk drin, und der hackt das Ganze jetzthier auf und drückt es raus. Was mache ich jetzt? Du ziehst es einfach hierimmer schön runter. Das ist der schönste Jobin der Brauerei. (Dynamische Musik) Die Matsche ist also ein Mixaus alten Brötchen und Malz. Das alles wandert aber nichtin den Müll, sondern kann woanders sinnvollweiterverarbeitet werden.

Der Treber hier, der wird zu Teilenan Bäcker geliefert. Der kann den Treber dannzum Backen benutzen, für Brote wie diese hier. Der Rest geht an einen Bauern,der hat Kühe, und das ist für denein super Futterersatz. Das kann als Futtermittelgenutzt werden? Das wird als Futtermittel genutzt,genau. So, Zeit für den Hopfen. In der Sudpfannewird's dann noch mal richtig heiß.

Hier kommt peu à peu Hopfen hinzu. Julians Brötchenbierbleibt ungefiltert, also naturtrüb und unkonserviert. (Dynamische Musik) Was bringt's, wenn ich mir jetzt soviel Arbeit mache, um ein Superprodukt in die Flasche,in die Dose, ins Fass zu bringen, und der Kunde merkt's nachher nicht? Also behalten wir unser Bier komplett mit unseremFrischbierversprechen.

In der Kühlkette, im Kühlkreislauf. Gekühlter Versand ist aufwendig,daher gibt es das Brotbier auch nur in einem Umkreisvon circa 60 Kilometer zu kaufen. Eine geschlossene Kühlkette bisin den Handel bedeutet allerdings, es wirdziemlich viel Energie benötigt. In Zukunft soll sich die CO2-Bilanzverbessern, erzählt mir Julian. Das gesamte Augenmerkliegt auch da drauf, sich in die Richtung zu entwickeln,wir sind jetzt auch dran, die Prozesswärme,die überall entsteht,.

Dass wir die nutzen können,dass das regeneriert wird, in die Heizung einfließt, dass wirdie Räumlichkeiten heizen können. Sonnenkollektoren aufs Dach,und so weiter, solche Dinge angehen. Das bedarf natürlichsehr viel Planung, aber da steigen wir jetztVollgas rein. Nach dem Abkühlenwird der Flüssigkeit Hefe zugemischt. Diese produziert in Verbindungmit den Eiweißen der Maische schließlich den Alkohol,das Bier gärt. Anschließend wird es mehrere Wochenin den Tanks kalt gelagert,.

Hier gärt das Bier noch nach. Bis das Brotbier die gewünschteQualität erreicht hat, vergehen mindestens vier Wochen. (Dynamische Musik) Cheers!- Cheers! (Flotte Musik) Das schmeckt lecker,aber ich wüsste nicht, womit ich das vergleichen soll, also, es schmeckt jetzt nichtwie ein typisches Pils.

Du hast eine leichte Brotnote,die kommt relativ am Anfang mit einer leichten Karamellnotezur Geltung. Da hast du so ein leicht cremigesMundgefühl, im Abgang wenig Hopfen, aber dafür eine kleine Süße,die dann in einer Salznote endet. Am Ende ist es eher so salzig. Ganz leicht, weil du hast jain Backwaren auch Salz drin. Das lässt sich ja nicht vermeiden, dann hast du hiereine minimale Salznote. Ja, ich find's ganz lecker,es ist natürlich speziell.

Das sagt der Geschmacksexpertezum Brotbier, Diplom-Biersommelier Sascha Euler. Ich finde den Geschmack nicht brotigoder auffällig anders. Soweit der Eindruck von AgrarökonomThore Toews. Er forscht dazu, wie sich Bierökologischer produzieren lässt. Ich hab mich mit beidenzum Craftbeertasting in Saschas Frankfurter Barverabredet. Wir sprechen darüber,wann Bier besonders nachhaltig ist, und was ein gutes Bier ausmacht.

Wie schneidet da das Brotbier ab? Man kann den Nachbarn hindurchnicht sehen, das heißt, unfiltriert, ist eine gute Sache,weil beim Filtrieren nimmt man auch sehr viel Geschmackmit raus. Typisches Craftbeer. Craftbeerbrauer ist mir keinerbekannt, der sein Bier filtriert. Vorteil von ungefiltertem Bier: Hier wird auf bestimmte Hilfsstoffeverzichtet. Einer davon: PVPP.

Viele Großbrauereien setzendas Kunststoffgranulat ein, um das Bier klarer und haltbarerzu machen. Ob dadurch Mikroplastikim Bier zurückbleibt, ist nicht ganz unumstritten. Laut Deutschem Brauerbundwird der Kunststoff nach dem Filtern wiederzuverlässig entfernt. Daher muss er auf der Flaschenicht angegeben werden. Ein Nachteil beim ungefilterten Bier? Das Brotbier ist naturtrübund muss dadurch gekühlt werden.

Wie schlägt sich dasauf die Klimabilanz nieder? Das kann sich leiderdramatisch auswirken. Kommt jetzt der Einkäufermit dem Auto, dem SUV angefahren, lädt nur drei Flaschen Bierins Auto und fährt dann wieder nach Hause,oder macht er einen Großeinkauf? Kommt das Ganze dannin den Kühlschrank? Es kann im Prinzip alles, was vorherin der Produktion, Logistik an Klimagasen entstanden ist, kann im Haushalt noch mal entstehen,wenn man es ungeschickt anstellt.

Die Kühlung im Verkaufund in unseren privaten Kühlschränken macht in Summe bis zu 18 Prozentdes CO2-Fußabdrucks von Bier aus. Für den Großteil der Craftbeere, dieaufgrund der fehlenden Filtrierung kühlgehalten werden müssen,ein Minuspunkt. Wir probieren nun ein Lager,regional hergestellt hier, direkt aus dem Fass. (Ruhige Musik) Fruchtig. Wollte ich auch sagen,habe mich nicht getraut.

Ich werfe mal in den Raum:fruchtig. Ist Regionalität etwas, was auch ganzstark nachgefragt wird in der Craftbeer-Community? Jein, je weiter ein Bier weg ist, desto eher schauen wirauch kritisch drauf. Jetzt nicht wegen der Umweltbilanz,muss ich zugeben, sondern wir wissen, dass derTransportweg schadet dem Bier. Also die Regionalität wird erwartet,und sollte man auch unterstützen. Auch für die Umwelt sind kurzeTransportwege natürlich von Vorteil.

Egal, ob Craftbeer oder klassischesPils von einer großen Marke, für die CO2-Bilanz solltet ihr am besten zu Bierenaus eurer Region greifen. Wer das ganze Craftbeergamedurchspielen will, kommt früher oder späterwahrscheinlich um die hier, um die Dose, nicht herum. (Entspannte Musik) Die Verpackung Dose ist natürlichideal für den Geschmack, weil es dein privates Fass ist.

Weil es hat eine Frische? Es hat eine Frische, es ist direktlichtundurchlässig, Licht ist auch ein Killerfür den Biergeschmack. Hier haben wir das Bieraus der Dose, es gibt auch die klassischeGlasflasche. Was ist von der Klimabilanz heram besten? Das Fass, das große Fass,eindeutig das Allerbeste. Oder man nimmt den Pfandkasten,am besten noch im Standardkasten, in Standardflaschen, die nicht dasLogo eingebrannt haben,.

Sondern Flaschen, die man einfachin das Pfandsystem zurückgeben kann, und das zirkuliert dannüber kurze Wege, so irgendwo Bedarf istfür Flaschen und Kisten, das wäre dann die zweitbeste Lösung, und die Dose wäredie letztbeste Wahl. Die Wahl der Verpackung kann ausschlaggebendfür die Klimabilanz sein. Je nach Gebinde macht die nämlichzwischen 19 und 46 Prozent vom CO2-Fußabdruck eines Bieres aus.

Die leichte Doseist nur dann die bessere Wahl, wenn das Bier aus dem Ausland,von sehr weit weg kommt. Dann gilt: weniger Gewicht gleichweniger Emissionen. (Flotte Musik) Was sind die Knackpunktebei der Produktion des Bieres? Es ist eigentlich der Malzprozess,wo ein Großteil der Energie dafür verwendet wird. Das ist einwesentlicher Knackpunkt, das geht ja dann in den Brauprozess,.

Natürlich haben wir da auchenorme Energieverbräuche: für die Kühlung und alles Mögliche. Auch die durch Gärungfreigesetzte Kohlensäure macht sich ordentlichauf dem Klimakonto bemerkbar. Hochgerechnet istjede deutsche Großbrauerei deshalb für mehrere 10.000 TonnenCO2-Emissionen verantwortlich. Es gibt auch solche Biere,die mit Klimaneutralität werben. Wie vertrauenswürdig ist denn das? Ich finde, das ist zu viel,das sollte man nicht machen.

Finde ich gar nicht gut,wenn man mit Klimaneutralität wirbt, weil man damit etwas verspricht,was diese Biere nicht halten können. Denn klimaneutral hat oft gar nichts mit der Bierproduktion an sichzu tun. In der Regelkaufen die Bierhersteller sogenannte CO2-Zertifikate, mit denen Klimaschutzprojekteunterstützt werden. So sollen die bei der Bierproduktionerzeugten CO2-Emissionen quasi an anderer Stelle wiederausgeglichen werden.

Was genau dahintersteckt,und um welche Projekte es sich konkret handelt,ist oft sehr intransparent. Das heißt, bei solchen Labelswie “100 % klimaneutral” sollte man skeptisch werden. Wollen wir zum nächsten Bierkommen? Ein Bio-Bier, oder? Ein Bio-Craftbeer. (Flotte Musik) Na dann. Cheers!- Cheers!.

(Flotte Musik) Die Fruchtigkeit ist nicht ganz sodominant, finde ich nicht schlecht. Ich schmeckeeinen hohen Hopfengeschmack raus. Aus vielen Recherchenhabe ich mitgenommen, Bio ist fast immer die bessere Wahl. Ist das die bessere Wahl?- Ich find die Antwort ganz schwer. Wenn wir Bodenbelastungund den Einsatz von Chemikalien, von Düngemittelnauf der Fläche betrachten, dann ist die Belastung definitivvon Öko-Landbau niedriger.

Das Problem: Bio-Landwirtschaftist deutlich weniger ertragreich. Wenn wir nur 35 oder 40 Prozentvon dem ernten, was konventionelle Bauern ernten, dann haben wir,wenn wir viel Öko-Landbau machen, einen großen Druck, an anderer Stelledie Landwirtschaft zu intensivieren. In der Gesamtbilanz wird esganz schwer, da sauber zu sagen, das eine ist besser oder das andere. Ich würde mal sagen, für denArtenschutz ist Bio-Bier besser.

Für den Klimaschutz,würde ich sagen, ist das nicht so. Wir bleibenbei Klima- und Umweltfaktoren. Was spricht für die große Brauereiund was für das Craftbeer? Für die große Brauereispricht ihre Größe, weil sie große Anlagen hat. Es ist dadurch einfacher,weniger Energie zu verbrauchen. Klares Plusfür die großen Brauereien. Aber besonders viel Innovation geht in der Regelnicht von den großen Firmen aus.

Und Newcomer müssen eine Nischefinden, irgendwas anders machen. Deshalb hast du bei den kleinerenFirmen viel mehr Innovation. Und deshalb, finde ich, ist dieseVielfalt auch unheimlich wichtig, und wir brauchen diese Innovation. Ja, jetzt haben wir das Bierwarmgequatscht. (Flotte Musik) Es ist spannend, wie wichtig in diesem Falldie Verpackung für die Ökobilanz ist. Die nachhaltigste Biervariante kommtalso am besten aus eurer Region.

Und in einer Mehrweg-Glasflasche. Bei der Klimabilanzschneiden die großen Brauereien besser ab als die kleinen, weil sieeffizienter produzieren können. Vorteil für die Craftbeere:Hier ist die Produktion transparenter und Innovationenwerden vorangetrieben. Ihr wollt keine Ökochecker-Folgemehr verpassen? Dann abonniert jetzt am bestenunseren Kanal und aktiviert die Glocke. SWR 2022.

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